Archiv für: Juni 2007, 12

12.06.07

Ist Trance für Hypnose notwendig?

Ich bin jedes Mal überrascht, wie wertvoll doch ein Gespräch sein kann. So war ich gestern, am 11.06.07, in eben ein solches Gespräch mit meiner Tochter Anna (19) vertieft. Sie stand mir häufig bei Problemfragen und Hypnose-Sitzungen hilfreich zur Seite, so hat auch sie einen guten Wissensstand, was Hypnose und Trance angeht.

Unser Gespräch entwickelte sich dahin, dass Anna interessiert fragte: „Was genau machst du eigentlich, dass ich allein durch Sprache in Hypnose versetzt werde? Mach mal ein Beispiel.“ Da wir gemütlich am Wohnzimmertisch saßen und es bereits in die Abendstunden ging, hatte meine Tochter einen Teller mit Essen vor sich stehen und auch ein Glas Saft. „Ich weiß, dass bestimmte Elemente beachtet werden müssen, um so eine Wirkung auszulösen.“, meinte ich. „Ich zeig´s dir mal.“

„Ein wichtiger Punkt ist deine Aufmerksamkeit. Die muss gefangen und auf mich ausgerichtet werden. Am Besten geht das, wenn du das, was der andere gerade macht, mit eigenen Worten wiedergibst. Zum Beispiel bei dir wäre es jetzt so, dass du ja gerade am Tisch auf einem Stuhl sitzt, einen Teller voller Essen vor dir hast und jetzt gerade mit der Gabel etwas davon zum Mund führst.“ – Anna lächelt und schaut mich an – „Das ist die berühmte Ja-Haltung. Wenn ich mehrere Punkte aufgezählt habe, die du innerlich bestätigen konntest, dann wirst du automatisch aufmerksamer und offener. Ich kann auch noch weiter gehen und behaupten, dass du selbst beim Essen alles, was ich sage, genau mitbekommst.“ – Anna nickte mit einem breiten Grinsen – „Und jetzt möchte ich, dass du nur noch meine Stimme hören kannst und alles andere unwichtig ist.“ – Anna kann nicht mehr essen und windet sich auf dem Stuhl, ausgelöst durch ein intensives Wohlgefühl.

Hinterher befragte ich meine Tochter nach ihren Gefühlen, die sie dabei empfunden hatte. Ich war selbst sehr interessiert, da dies keine Trance gewesen war (sonst hätte Anna nicht so aktiv reagiert, gelächelt, mit mir normal weiter gesprochen und gegessen). Sie selber hatte den Eindruck, dass durch die anfängliche „Bestätigung“ ihres Handelns eine ungeahnte Freude in ihr aufstieg. So sei auch ihre eigene Aufmerksamkeit näher an das Geschehen heran gerückt. Und diese ungewöhnliche Nähe löste bei ihr sehr intensive und eigenartige Gefühle aus, die für sie schlecht zu beschreiben waren. Allerdings betonte sie mehrmals, dass sie aus eigener Erfahrung meinen könnte, in keiner Trance gewesen zu sein – ihr Bewusstsein war klar und wach. Bei der Lenkung ihrer Aufmerksamkeit auf meine Stimme schließlich kam ein völlig neues Phänomen zutage: Anna fühlte, wie „etwas Dumpfes, Ruhiges oder Warmes“ sich plötzlich in ihr bewegte und ruckartig sich in die Richtung meiner Stimme ausrichtete, begleitet von dem Gefühl kindlicher Vorfreude und reinem Interesse.

Auch nach ersten Überlegungen bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ein hypnotischer Zustand nicht zwingend an eine Trance gebunden ist. Reine Hypnose bezieht sich viel eher auf das Thema Aufmerksamkeit, wohingegen eine Trance eher auf Entspannung und Tiefe abzielt. Auch das parallele Auftreten von Bewusstsein und Unbewusstem beweist, dass für eine gelungene Hypnose das Bewusstsein nicht zur Seite gedrängt, oder das Unbewusste „ausgegraben“ werden muss.

Selbstverständlich ist auch hier die Forschung noch längst nicht abgeschlossen! Ich sehe hier auch wichtige Verbindungen zum „inneren Dialog“. Später mehr davon.

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