Archiv für: Juli 2007, 16

16.07.07

Spiegel-Geschichte Nr. 6: Käfig

Ein Mann “lernt“ in seiner Jugend, dass Gefühle verletzlich und schutzlos machen. Also beschließt er, keine Gefühle mehr zuzulassen. Er ist ab da seinen Mitmenschen gegenüber ziemlich hart, gegenüber sich selbst konsequent unerbittlich. Er rechnet sich genau aus, wie viel er wiegen darf und hungert auch einfach so lange, bis er das gedachte Gewicht hat. Alle zwischenmenschlichen Kontakte reduziert er soweit, dass er schließlich nur noch am Arbeitsplatz mit anderen Personen zusammentrifft. Er reist einsam herum, isst stets allein und plant sein Leben bis in kleinste Detail. Er lebt streng logisch und lächelt über viele Probleme anderer Menschen, weil die bei ihm nicht vorkommen können.

Nur manchmal gibt es da (so dumme) Zufälle, die er nicht ausschließen kann und die ihn ab und zu “erwischen“: Gelegentliche Unfälle (nichts von Bedeutung), eine Gehirnoperation, Durchblutungsstörungen und dann noch diese Krankheit, Parkinson genannt, die aber bei ihm einen “milden“ Verlauf nimmt. Und, obwohl er einige Fachbücher von angesehenen Forschern über Parkinson liest, wacht er nicht aus seinem selbstgebauten Denk-Käfig auf, auch nicht, als öfter davon die Rede ist, dass bei Parkinson-Kranken Dopamin fehlt, das “Glückshormon“, wie es auch in Fachkreisen genannt wird.

Selbstkontrolle u. Selbstverantwortung in der Hypnose, Teil 2

Wie bereits gesagt, ist jede Fremdhypnose eigentlich eine Selbsthypnose. Wenn aber der Klient jede Hypnose in sich selber aufbaut und aufrecht hält, kann er sie auch beliebig beenden.

Diese Schlussfolgerung hat zwei Fehler:
Dass Fremdhypnose Selbsthypnose ist, scheint noch nicht so bekannt und entsprechend bewusst zu sein (eindeutig eine Unterlassung der Hypnosefachleute!) und ferner ist die Hypnose eine Art “Parallelwelt“ (ähnlich der Traumwelt), in der der Mensch zuerst lernen muss, sich zu bewegen und zurechtzufinden. Beides geht ausschließlich nur über praktische Übung! Ist jemand seiner Persönlichkeit entsprechend “oft genug“ hypnotisiert worden, kommt in den Ablauf der Hypnose nahezu unbemerkt etwas mehr Freiheit für den Klienten, die gewöhnlich nach und nach von ihm erweitert wird und schließlich dahin führt, dass der Klient jede Hypnose durch Veränderungen zu “seiner“ Hypnose macht. Dazu gehört ganz natürlich auch das Wissen, wie man aus jeder Hypnose mit Sicherheit und zu jeder Zeit herausgehen kann (das Ganze kann natürlich durch gute Anleitung eines Hypnotiseurs beschleunigt ablaufen.). Gleichzeitig verbessert sich ganz automatisch auch die Einstellung des Klienten zu der Frage, was er in Hypnose für machbar hält. Sein Selbstbewusstsein und sein Erfolg wachsen auch im richtigen Leben. Denn dadurch werden auch seine Selbstkontrolle und seine Selbstverantwortung optimiert und von ihm dann auch lieber und öfter eingesetzt.

Wie angekündigt, möchte ich hier auch auf dass Dauer-Reizthema Showhypnose eingehen:

Es gibt dort immer wieder Showelemente, die mit Recht kritisiert und verurteilt werden. Bevor ich aber darauf näher eingehe, möchte ich feststellen, dass vertretbare Shows allgemein ein Bedürfnis stillen, also nichts Schlechtes sind. Dem zufolge müssen “gute“ Hypnoseshows auch eine Daseinsberechtigung haben. Damit meine ich Shows mit moralisch-ethisch vertretbaren Inhalten und vom Können her mit im oberen Bereich angesiedelten Fähigkeiten des Vorführenden, sodass dem Showbesucher (z. B). eine ansprechende Mischung aus Unterhaltung, neuen Erfahrungen und Erkenntnissen präsentiert wird. Deshalb glaube ich, dass Show-Hypnotiseure sich selbst den Gefallen tun und verstärkt darüber nachdenken sollten, wie sie ihre Show so gestalten können, dass sie nicht mehr  auf die  bisher üblichen, kritisierbaren “Tricks“ zurückgreifen müssen. Dazu lohnt sich sicher ein Blick auf andere, erfolgreiche Shows (Bühnenmagier etc.), um durch mehr professionelle Showgestaltung und gleichzeitig weniger spektakulär-verwerfliche Hypnoseelemente zu noch mehr Erfolg zu kommen. Was den Anteil von Hypnose angeht, ist hier weniger oft mehr. Vielleicht könnte man mehr Varianten einzelner Hypnoseelemente anbieten, gewissermaßen spektakulär verpackt? Analoges Beispiel: Eine Blume, mit Fantasie ausgeschmückt, kann prächtiger wirken wie ein ganzer Blumenstrauß. Wenn das also richtig angepackt wird, tun sich  ganz neue Möglichkeiten auf und neben dem Spaß werden auch die Popularität der Hypnose und ihr Image gefördert. Vielleicht wirken gute Hypnoseshows sogar befruchtend auf die “seriöse“ Hypnose, wer weiß?
 
Und zum Schluss noch eine Frage: Würde es nicht eher wie eine vertrauensbildende Maßnahme wirken, wenn man vor jeder Show mit interessierten Teilnehmern die (später auf der Bühne realisierten) Hypnoseelemente durchsprechen würde?

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