Beim Lesen der ZEIT stieß ich heute auf “Eine kleine wissenschafts-historische Sensation: Das bislang unbekannte Tagebuch einer Freud-Patientin, die ihre Sitzungen protokollierte“ (02.08.2007, Feuilleton). Viele Dinge fallen mir bei dem Text auf, ich möchte aber, als Hypnotiseur, nur auf zwei Dinge eingehen:
Zum einen hat sich
Sigmund Freud wohl in diesem Fall in einer Art Rausch befunden, jede Äußerung und Schilderung der Patientin kommentieren/deuten zu müssen (wobei ich mangels entsprechender Belesenheit nicht sagen kann, ob er immer so handelte) und zum anderen tendieren diese Deutungen und Kommentare gelegentlich zur Form einer
selbsterfüllenden Prophezeiung .
Beispiel: “Nach und nach werden Sie Beweise bringen und es wird sich das Rätsel lösen, warum Sie nicht von Ihrem Bruder loskommen.“ Immerhin ist mir bekannt, dass Freud eine Ausbildung in Hypnose absolviert haben soll. Wobei er später von Hypnose offiziell keinen Gebrauch gemacht hat. Wenn ich aber solche Aussagen lese, frage ich mich, ob er sich der Wirkung solcher Aussagen bewusst war oder ob diese Wirkungen sogar gewollt waren. Zumindest in diesem Text scheint er auch nicht immer der kühle, distanzierte Analytiker gewesen zu sein, wie an anderer Stelle klar erkennbar.
Beispiel: “Wenn Sie sich herabsetzen tun sie es, um mir die Liebe zu verleiden, wie z.B. die Dame mit den Hämorrhoiden.“ Ich glaube, solche Äußerungen sprechen für sich. Einmal mehr sehe ich mich bestätigt in meiner Meinung, dass man sich bemühen sollte, bewusster zu leben und zu handeln, wie es die Hypnose möglich machen kann.