
Gabi ist jetzt 50. Sie hat seit 20 Jahren einen kleinen Lebensmittel-Laden im Dorf. Da verkauft sie alles, was man so braucht, und was sie nicht rechtzeitig los wird, wird von ihr gelegentlich wegen Überalterung raus genommen. Dies aber nur, wenn es gar nicht anders geht – wegen dem Verlust. Denn obwohl Gabi den einzigen Lebensmittel-Laden im Dorf hat, ist der Verdienst überaus klein und manchmal bleibt gar nichts übrig. Was Gabi aber seit geraumer Zeit bleibt, ist eine ständige Bedrohung ihrer Gesundheit: Immer kränkelt sie – Muskelschmerzen, Nackensteifigkeit, Migräne, rheumatische Gelenkschmerzen, Bauchweh und so fort. Und obwohl sie selbst oft über mangelnde Bewegung klagt, ist sie innerlich ständig in Aufruhr, im richtigen Stress! Sie weiß seit Jahren, dass es so nicht weitergeht, will es aber nicht akzeptieren und außerdem fällt ihr (deshalb ??) keine Lösung oder Alternative ein. Ihre wirtschaftliche und körperliche Bewegungsfreiheit tendiert schon lange deutlich in Richtung Null, eigentlich ihr ganzes Denken und ihr ganzes Leben. Ratschläge will sie auch keine mehr hören, weil die Lösung „sowieso nur mit Geld“ zu finden wäre.
Ja, wenn da nicht dieser Film über Ameisen gewesen wäre. Irgendwas Dokumentarisches war das im Fernsehen. Und eine Szene war für sie absolut faszinierend gewesen: Zwei, drei dieser Tierchen waren auf einem Blatt gefangen und suchten einen Weg, da weg zu kommen. Ihre Lage war hoffnungslos, aber die Ameisen liefen ständig hin und her, hin und her, und prüften nach und nach ALLE Möglichkeiten. Manche sogar viele Male – und fanden einen Weg.
Gabi hat an diesem Abend lange geweint. Und verstanden.