Archiv für: April 2008

18.04.08

Interessante Übereinstimmung

Erickson wendete mit großem Erfolg seine von ihm entwickelte “Utilisations-Technik“ an. Worum es sich dabei handelt, kann man in den Gesammelte Schriften von Milton H. Erickson (Bd.1, Seite 258) nachlesen. Da heißt es:

Im wesentlichen geht es bei diesen Techniken darum, das herkömmliche Verfahren einfach umzukehren. Gewöhnlich basiert die Trance-Induktion darauf, dass der Hypnotiseur beim Patienten eine gewisse anfängliche Akzeptanz und Kooperationsbereitschaft zu erreichen versucht. Bei den Utilisations-Techniken wird das übliche Verfahren insoweit umgekehrt, als der Hypnotiseur davon ausgeht, die vom Patienten gezeigten Verhaltensweisen zu akzeptieren und ihnen zu folgen, wie ungünstig diese in der klinischen Situation auch erscheinen mögen.“

Diesem Text möchte ich nun eine andere Textstelle gegenüberstellen, deren Wurzel etwa 3000 Jahre zurückreichen. Eine Stelle aus dem I-Ging (Hexagramm 61), 1923 übersetzt und herausgegeben von Richard Wilhelm: “Wenn man solchen widerspenstigen, schwer zu beeinflussenden Menschen gegenübersteht, beruht das ganze Geheimnis des Erfolgs darauf, dass man den richtigen Weg findet, um Zugang zu ihnen zu finden. Man muss sich erst innerlich ganz frei machen von seinen Voreingenommenheiten. Man muss sozusagen die Psyche des anderen ganz unbefangen auf sich wirken lassen; dann kommt man ihm innerlich nah, versteht ihn und bekommt Macht über ihn, so dass die Kraft der eigenen Person durch die geöffnete Pforte Einfluss auf den anderen gewinnt.“

Finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, die inhaltlichen Ähnlichkeiten nicht auch faszinierend?

16.04.08

Nachträgliche Zusammenfassung

Hypnose bzw. Trance entsteht, wenn sich jemand dazu bereit erklärt und/oder zulässt, dass sein Ich-Bewusstsein teilweise oder ganz die körperorientierte und gewohnheitsmäßige Verhaftung lockert und sich verändert. Dies kann in allen Variationen und Kombinationen geschehen: Von kleinsten, völlig unauffälligen Veränderungen bis hin zu sehr auffälligen, drastischen, jeweils verbunden mit einer Variante von bewusst bis unbewusst. Unbewusste Veränderungen richten sich überwiegend nach der Notwendigkeit und der Situation, absichtliche Veränderungen gelingen leichter und angstfreier unter kompetenter Anleitung oder gemäß erfolgreicher, kontemplativer Techniken. Letzteres vor allem, weil dadurch der bedrohlich wirkenden Vermutung der Auflösung des Ich-Bewusstseins und der damit verbundenen Aufhebung des individuellen Menschen als Person wirksam begegnet werden kann.

15.04.08

Die Differenz-Bewegungs-Theorie (DBT)

Heute möchte ich, in kurzer Form, meine Differenz-Bewegungs-Theorie vorstellen, mit der ich zeigen möchte, wie Hypnose genau funktioniert:

C.G. Jung hat das Kollektive Unbewusste entdeckt und durch Hinweis auf die Archetypen beweisen wollen. Meines Erachtens ein unnötig “schmaler“ Beweis, aber doch ein wissenschaftliches Aufgreifen von Vorstellungen und Ideen eines Welt umfassenden menschlichen Basisgeistes. Hier möchte ich mit meiner Differenz-Bewegungs-Theorie ansetzen:

Für mich handelt es sich bei dem Kollektiven Unbewussten um eine Art Kollektives Basisbewusstsein (KBB). Dabei stelle ich mir vor, dass aus diesem alle Menschen gebildet werden, und zwar seit es Menschen gibt und es welche geben wird. Dies geschieht dadurch, dass aus diesem KBB Ausstülpungen entstehen, die individuell menschliche Wesen in ihrer vollen Potentialgestalt bilden. Zunächst als überbordende Einheit von Geist und Seele in einem kleinen Säuglingskörper mit ebenso individueller Zusammensetzung. Diese vollkommenen Wesen gehen durch ihren jungen physischen Körper in eine Welt mit überwiegend physisch ausgerichteten Glaubenssätzen und Gewohnheiten. Sie unterliegen dabei, von der Schwangerschaft an, allen Erfahrungen, Eindrücken etc., die diese Welt verursacht. Es entstehen dabei auch die typisch menschlichen Ebenen: Das Unbewusste, die Seele, das Über-Ich, und das Ich. Dies geschieht durch verschiedene Arten von Geist-/Energie-Konzentrationen, Förderungen und Verminderungen. Gleichzeitig werden der menschliche Geist und die Bewusstseine dem heranwachsenden Körper immer mehr angepasst, bis schließlich Geist und Bewusstsein weitgehend identisch mit dem menschlichen Körper sind. Hierbei konzentriert sich der Geist überwiegend auf den Kopfbereich, die Bewusstseine staffeln sich von innen nach außen (wie die berühmten russischen Holzpüppchen, die ineinander gestellt sind). Die Reihenfolge ist, von innen nach außen betrachtet: Das Ich, das Über-Ich, die Seele und dann das Unbewusste (vgl. Skizze).

Welche Bedeutung aber kommt der Seele zu? Sie ist durchaus individuell, aber weiträumiger aufzufassen, als das Über-Ich. Sie gibt die Grenze des einzelnen Menschen vor und befindet sich an der Stelle des vorher potentiell vollkommenen Menschen. Dadurch gibt sie Impulse für die Entwicklung des Einzelnen vor. Das Unbewusste stellt darüber hinaus für mich, in Form des Kollektiven Unbewussten bzw. KBB, das Bindeglied zum Universum dar. Hypnose lässt sich darauf aufbauend als ein Vorgang beschreiben, bei dem das Ich sich vom Körper soweit lösen und lockern kann, dass es sich bis zu seiner potentiellen Urgestalt ausdehnt. Dies entspricht meiner Differenz-Bewegungs-Theorie. Das soll heißen, dass die Differenz bzw. der Abstand zwischen Ich und Über-Ich in Hypnose/Trance/Meditation etc. überwunden werden kann. Die Folge davon ist, dass alle körperlichen Erfahrungen, Erinnerungen, Einschränkungen u.s.w. überwunden werden können. Hinzu kommt, dass angelegte, vergessene Möglichkeiten ins Bewusstsein dringen und die Zeit im Bewusstsein des Probanden aufgehoben werden kann.

Hypnose ist also bei ihrer richtigen Anwendung in der Lage das ganze Potential des Menschen, seine Regeneration und Neuorientierung (seinen seelischen Vorgaben entsprechend) zu bewirken. Dafür sind allerdings Stabilität und Flexibilität, ggf. Anleitung in richtigem Maße nötig. Ich weiß, dass mit meinen Ideen auch sehr viele Fragen verbunden sind, die ich in Zukunft hoffentlich beantworten kann. Entweder allein oder in Diskussion mit Interessenten.

11.04.08

Video zu indirekten und posthypnotischen Suggestionen

Das Video demonstriert in seiner ersten Phase eine indirekte Suggestion, indem der Hypnotiseur den Probanden einen imaginierten Weg beschreiten lässt. Es wird dabei maximale Entspannung erzielt. In der zweiten Phase wird die Wirkung der posthypnotischen Suggestion erkennbar: Der Proband scheint ununterbrochen von Stechmücken geplagt zu werden und überaus positiv und vitalisierend auf das Wort "Flower" zu reagieren. Sehen Sie selbst:

Anm.: Nach meiner Meinung ist ein Körperkontakt nicht notwendig!


Erkenntnis des Tages !!

Gewohnheit kann das Tun unsichtbar machen.

09.04.08

Selbsterfüllende Prophezeiungen - Ein Vergleich

Ich möchte hier über die Anwendung der Selbsterfüllenden Prophezeiung (S.P.) sprechen im Vergleich mit der Posthypnotischen Suggestion (P.S.):

Beide Vorgehensweisen zielen darauf ab, ein bestimmtes Verhalten oder Ergebnis in der Zukunft zu bewirken, sonst scheinen sie aber nur sehr wenig miteinander zu tun zu haben. Auf diesen Vergleich bin ich deshalb gekommen, weil ich bei Erickson lesen konnte: „Seine Untersuchungsergebnisse auf der Grundlage von Erfahrungen mit Tausenden von Versuchspersonen weisen generell darauf hin, je einfacher, je permissiver und unauffälliger eine Technik ist, um so wirkungsvoller hat sie sich bei dem Bemühen erwiesen, bedeutende Ergebnisse sowohl im experimentellen wie im therapeutischen Bereich zu erzielen …“ Das soll heißen: Gemäß dieser ericksonschen Erfahrung fragte ich mich, ob ich mit Hilfe der S.P. auch Ergebnisse einer P.S. herbeiführen könnte, da die S.P. sicherlich deutlich einfacher und unauffälliger erscheint, als die P.S., für die schließlich erst noch ein „ausreichend tiefer“ Trancezustand beim Probanden aufgebaut werden muss. Und da Posthypnotische Suggestionen schon in großem Umfang erforscht und ausprobiert wurden, habe ich mich in diesem Fall weitgehend auf Selbsterfüllende Prophezeiungen konzentriert.

Um solche wirklich unauffällig und einfach, aber auch häufig, einsetzen zu können, nahm ich meinen Alltag zu Hilfe und instruierte einzelne meiner Verwandten und Bekannten auf einfache Weise. So sagten sie sich in meinem Beisein z.B.: „Wenn wir uns wieder sehen, erinnere ich mich, dass ich dich erinnern soll.“ Oder: „Wenn ich nach Hause komme, soll ich nicht vergessen, das Buch vor die Wohnungstür zu legen, damit er es später dort nur aufgreifen braucht (= verneinter Befehl).“ Der jeweilige Satz wurde absichtlich nur einmal ausgesprochen.

Das Ergebnis war verblüffend: Alle Selbsterfüllende Prophezeiungen wurden ausgeführt, allerdings teilweise bewusst, teilweise unbewusst (im obigen Fall mit dem Buch wurde tatsächlich kein Buch vor die Türe gelegt und richtig vergessen).
Fazit: Die Untersuchungsergebnisse von Erickson bezüglich eines möglichst einfachen, permissiven und unauffälligen Vorgehens in der Hypnose kann ich nach meiner kleinen Versuchsreihe nur bestätigen! Obwohl die S.P. gestartet wird im „minihypnotischen“ Bereich (ich bin der Auffassung, dass dieser Bereich auch hypnotisch ist, nur eben nicht so offensichtlich!), hat sie die Tendenz, sich auf jeden Fall zu verwirklichen. Posthypnotische Suggestionen scheinen in ihrer Stärke oft überzogen zu sein und nur in den wenigsten Fällen mit ihrer Fremdinduktion und der unbewussten Ausführungsweise angemessen zu sein.

Die Art von Alltags-Selbsthypnose, wie wir sie bei der typischen S.P. finden, sollte viel mehr gezielt in unser Leben einfließen, viel mehr Vertrauen bekommen und so auch eine Vertrauen aufbauende Rückwirkung in uns selbst auslösen. Ich glaube, so bekommen wir auch mehr bewusste Freiheit über unser Leben. Ich bin sogar der Meinung, dass solche einfachen Selbstinduktionen auch tief greifende Persönlichkeitsveränderungen auslösen können. Immerhin hat Erickson seine Aussage nicht eingeschränkt.

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