Archiv für: April 2008, 09

09.04.08

Selbsterfüllende Prophezeiungen - Ein Vergleich

Ich möchte hier über die Anwendung der Selbsterfüllenden Prophezeiung (S.P.) sprechen im Vergleich mit der Posthypnotischen Suggestion (P.S.):

Beide Vorgehensweisen zielen darauf ab, ein bestimmtes Verhalten oder Ergebnis in der Zukunft zu bewirken, sonst scheinen sie aber nur sehr wenig miteinander zu tun zu haben. Auf diesen Vergleich bin ich deshalb gekommen, weil ich bei Erickson lesen konnte: „Seine Untersuchungsergebnisse auf der Grundlage von Erfahrungen mit Tausenden von Versuchspersonen weisen generell darauf hin, je einfacher, je permissiver und unauffälliger eine Technik ist, um so wirkungsvoller hat sie sich bei dem Bemühen erwiesen, bedeutende Ergebnisse sowohl im experimentellen wie im therapeutischen Bereich zu erzielen …“ Das soll heißen: Gemäß dieser ericksonschen Erfahrung fragte ich mich, ob ich mit Hilfe der S.P. auch Ergebnisse einer P.S. herbeiführen könnte, da die S.P. sicherlich deutlich einfacher und unauffälliger erscheint, als die P.S., für die schließlich erst noch ein „ausreichend tiefer“ Trancezustand beim Probanden aufgebaut werden muss. Und da Posthypnotische Suggestionen schon in großem Umfang erforscht und ausprobiert wurden, habe ich mich in diesem Fall weitgehend auf Selbsterfüllende Prophezeiungen konzentriert.

Um solche wirklich unauffällig und einfach, aber auch häufig, einsetzen zu können, nahm ich meinen Alltag zu Hilfe und instruierte einzelne meiner Verwandten und Bekannten auf einfache Weise. So sagten sie sich in meinem Beisein z.B.: „Wenn wir uns wieder sehen, erinnere ich mich, dass ich dich erinnern soll.“ Oder: „Wenn ich nach Hause komme, soll ich nicht vergessen, das Buch vor die Wohnungstür zu legen, damit er es später dort nur aufgreifen braucht (= verneinter Befehl).“ Der jeweilige Satz wurde absichtlich nur einmal ausgesprochen.

Das Ergebnis war verblüffend: Alle Selbsterfüllende Prophezeiungen wurden ausgeführt, allerdings teilweise bewusst, teilweise unbewusst (im obigen Fall mit dem Buch wurde tatsächlich kein Buch vor die Türe gelegt und richtig vergessen).
Fazit: Die Untersuchungsergebnisse von Erickson bezüglich eines möglichst einfachen, permissiven und unauffälligen Vorgehens in der Hypnose kann ich nach meiner kleinen Versuchsreihe nur bestätigen! Obwohl die S.P. gestartet wird im „minihypnotischen“ Bereich (ich bin der Auffassung, dass dieser Bereich auch hypnotisch ist, nur eben nicht so offensichtlich!), hat sie die Tendenz, sich auf jeden Fall zu verwirklichen. Posthypnotische Suggestionen scheinen in ihrer Stärke oft überzogen zu sein und nur in den wenigsten Fällen mit ihrer Fremdinduktion und der unbewussten Ausführungsweise angemessen zu sein.

Die Art von Alltags-Selbsthypnose, wie wir sie bei der typischen S.P. finden, sollte viel mehr gezielt in unser Leben einfließen, viel mehr Vertrauen bekommen und so auch eine Vertrauen aufbauende Rückwirkung in uns selbst auslösen. Ich glaube, so bekommen wir auch mehr bewusste Freiheit über unser Leben. Ich bin sogar der Meinung, dass solche einfachen Selbstinduktionen auch tief greifende Persönlichkeitsveränderungen auslösen können. Immerhin hat Erickson seine Aussage nicht eingeschränkt.

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