Man kann ja nicht alles lesen und deshalb begnügt man sich bisweilen mit dem Hörensagen von anderen, was zwangsläufig oft gleichbedeutend ist mit Halbwissen. So war es bisher auch bei mir beim Thema: Freud und die Hypnose. So habe ich dazu von einigen Seiten vernommen, dass Sigmund Freud die Hypnose wohl in Frankreich kennen gelernt hatte, sich von dieser aber abwendete. Nun neigt wohl jeder aus so einer Auskunft heraus leicht zu den verschiedensten Spekulationen, etwa, dass Freud eben ein schlechter Hypnotiseur gewesen sein müsste oder, dass Enttäuschungen in der Anwendung zu seinem Entschluss geführt haben müssen. Ich möchte dazu noch eine andere Idee beisteuern, die das Ansehen der Hypnose, in diesem Zusammenhang, vielleicht sogar ein wenig aufpolieren kann: Vielleicht hat Professor Freud genau erkannt, dass die von ihm für die Psychoanalyse genutzte Assoziation in Wirklichkeit ein hypnotischer Zustand ist! Es handelt sich m.E. dabei zwar um einen alltäglichen, völlig unspektakulären Hypnosezustand, aber das könnte Freud doch gerade Recht gewesen sein, weil er dadurch nicht in Erklärungsnot kommen musste! Und die Ablenkung von der Thematik „Hypnose“, die selbst heute nicht nur positiv besetzt ist und damals noch wesentlich kontroverser und heftiger diskutiert wurde, gelang ihm perfekt, indem er ihr einfach einen anderen Namen - „Assoziation“ - gab. Gut gemacht, Herr Professor Freud! Anfügen möchte ich hier noch den Hinweis, dass Freud, zumindest in seinen Schriften „Das Unbewusste“ und „Das Ich und das Es“, auch auf Hypnose Bezug genommen hatte, und zwar, um die Existenz und die Wirkweise des Unbewussten zu untermauern (siehe S. Freud „ Das Ich und das Es und andere metapsychologische Schriften“, Fischer Taschenbücher 1978).