Archiv für: Juni 2009

26.06.09

Spiegelgeschichte Nr. 13 "U-Bahn"

Heike, 60 Jahre alt und schon lange einsam, erinnert sich plötzlich an damals, an die bewusste, ähnliche Situation, wie jetzt, wo sie in der U-Bahn sitzt, auf der vorderen Ecke einer dieser abgewetzten Sitze. Da war sie vielleicht 25, damals, jung eben und alles war voll mit Menschen. So wie jetzt saßen und standen dicht gedrängt die Menschen und schwankten mit der U-Bahnbewegung vor und zurück. Und dann, irgendwann, spürte sie damals erst so ein Kribbeln und dann wurde ihr schnell unangenehm heiß und sie schaute instinktiv nach links oben: Da stand doch irgend so ein „schmieriger“ Typ und glotzte ganz frech und unverhohlen direkt in ihr Dekollete! Gott sei Dank brauchte sie nur noch ein paar Minuten und sie konnte sich nach draußen retten! Und sie erinnert sich noch genau an das verdutzte Gesicht von dem Kerl nach der schallenden Ohrfeige, bevor sie rausstürmte. Aber, warum kommt ihr diese Erinnerung gerade jetzt, obwohl sie zigmal in ähnlicher Situation war und jahrelang war nichts passiert? Bei diesen Gedanken bewegt sie ein wenig die Beine und rutscht ein bisschen auf dem Sitz hin und her. Und als sie dabei den Kopf ein wenig nach links dreht, guckt sie direkt auf eine Männerhose – da steht keine 5 Zentimeter von ihrem Sitzplatz entfernt, neben ihr, doch offensichtlich ein Mann! Natürlich wird Heike plötzlich ganz warm und dieses Kribbeln ist wieder da - unglaublich! Und sie riskiert einen Blick und sieht einen jüngeren Mann, Dreitagebart, wirklich nicht unsympathisch, eigentlich ein Frauenschwarm, denkt sie und schaut wieder weg. Er hatte offensichtlich nicht gemerkt, dass sie ihn angesehen hatte und völlig fasziniert und unverwandt ständig in ihren, zugegebenermaßen etwas gewagten Ausschnitt gesehen. Und das sogar mit einem verträumten Blick, wie Heike meint gesehen zu haben. Und sie denkt noch „Hey, was mache ich hier eigentlich!“ und bringt sich durch ganz zufällige Bewegungen in eine für „Ihn“ bessere Position. Und sie freut sich,  dass die Fahrt noch etwas dauern wird und genießt den Augenblick und dieses wunderbare Kribbeln.

15.06.09

Selbsthypnose optimieren

Meine Tochter ließ sich immer gut hypnotisieren und sie schien die angeleitete Hypnose ebenso auch intensiv und deutlich erleben zu können. Interessanterweise zeigte die Selbsthypnose bei ihr nicht denselben Effekt – im Gegenteil: Es fiel ihr schwer sich auf die inneren Bilder zu konzentrieren oder die körperlichen Sinne in die Visualisierung einzubauen. Das Ergebnis war stets eine kurze, kaum merkbare Hypnose.

Gestern versuchte sie erneut eine „halbwegs gelungene“ Selbsthypnose durchzuführen. Nach den ersten imaginierten Szenen schien ihr Unbewusstes sie plötzlich zum Beginn der Szenerie zurückzudrängen und meine Tochter ging darauf ein. So sah sie die Szene nochmals von Anfang an, dieses mal aber von ihrer eigenen inneren Stimme kommentiert. Ein Beispiel: „Du stehst vor der Tür und nimmst jetzt den Haustürschlüssel in deine Hand. Dann schließt du die Türe auf und drückst die Klinke herunter. In der Wohnung ist es dunkel. Du drehst dich um und schließt die Tür. Dann betätigst du den Lichtschalter, neben dir an der Wand.“ Die Stimme erklang automatisch und begleitete meine Tochter bis zum Ende der Selbsthypnose. Auch nach dieser Übung blieb die Sitzung im Gedächtnis meiner Tochter, die Bilder blieben klar, das Erlebnis fühlte sich realistisch an und die eingebauten Suggestionen schienen ebenso sicher eingebaut zu sein.

Der Gedanke hinter dem Kommentieren der Visualisierung ist der, dass die Aufmerksamkeit des Selbsthypnotisierenden an der Visualisierung „festgetackert“ wird. Jedes einzelne Kommentar zu einer Handlung verankert die Aufmerksamkeit auf dieses Bild und ermöglicht es dem kreativen Teil des Geistes diese Handlung dann mit Sinneswahrnehmungen auszuschmücken – obwohl bei dem Kommentar nicht ein Wort über das Wie verloren wurde: Kein „vor der holzigen Tür“, kein „drückst die kalte Klinke herunter“ oder „neben dir an der weißen Wand“.  Durch den begrenzten Freiraum, den das Kommentieren ohne Attribute gestattet, entfaltet sich die wahre Kraft der imaginierten Bilder. Die Aufmerksamkeit folgt durch den inneren Kommentar dem „Imaginationsgrundriss“ – ohne Unterbrechungen und ohne Störungen. Wem die Selbsthypnose, wie meiner Tochter, eher schwer fällt, der sollte sein Unbewusstes um diese Art des Kommentierens bitten. Das Ergebnis ist nach meiner Meinung identisch mit einer fremdgeleiteten Hypnose.

03.06.09

Synästhet durch Hypnose

Heute stieß ich auf einen sehr interessanten und aktuellen Bericht des Online-Magazins MEDICAL TRIBUNE, in dem es um das Phänomen der Synästhesie geht (d.h. ein Reiz wird mit zwei Sinnen gleichzeitig interpretiert):

"[...] Neuen Studien zufolge ist Synästhesie aber auch erlernbar. So brachte
man vier 'ganz normale' Freiwillige per Hypnose dazu, Nummern mit
Farben zu verbinden. In nachfolgenden Tests benahmen sie sich dann wie
waschechte Synästhetiker."


Skin Touch Hypnose (STH)

Zum Abschluss meiner Hypnoseausbildung in Stuttgart sollte ich eine Kollegin so hypnotisieren, dass sie nichts merkt, wenn ich ihr eine kleine Nadel in den Handrücken stechen würde. Dazu kam mir ganz intuitiv der Gedanke, ihr den Bereich an ihrer rechten Hand, der gemeint war, deutlich zu machen, indem ich sie dort mit einem Finger berührte. Die spätere, anschließende Betäubungswirkung an der Hand der Kollegin war für alle Beteiligten so erstaunlich intensiv und gut, dass mir das damals eigentlich selbst ein wenig rätselhaft war.

In Verbindung mit meinen Bemühungen, die Hypnose verstärkt mit alltäglichem Tun zu verzahnen oder zu verschmelzen, also meinen Entwurf der Hypnotischen Erweiterung weiter auszubauen, möchte ich hiermit nun, nach der Hypnotischen Massage Erweiterung (HME), die Methode der Skin Touch Hypnose (STH) vorstellen: Allgemein ausgedrückt geht es vorrangig darum, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein des zu Hypnotisierenden konkreter und gezielter auf ganz bestimmte Körperstellen ausrichten zu können, um damit dort auch eine intensivere und sicherere Hypnosewirkung gewährleisten zu können. Ganz besonders hilfreich wäre diese Methode für Menschen, die kein ausgeprägtes Körpergefühl oder in diesem Zusammenhang wenig Bewusstsein haben. Übrigens haben erstaunlich viele Menschen ein relativ unterentwickeltes Körperbewusstsein und -gefühl, wie Masseure mir immer wieder bestätigen!

Was muss man also bei der STH machen?
Wenn eine körper-bezogene Hypnose eingesetzt werden soll, wird die betreffende Stelle am Körper des Patienten mit Hilfe eines kleinen Stabes berührt, umrahmt oder sonst wie klar abgegrenzt, dass der Patient genau weiß, welche Körperstelle jetzt gemeint ist. Selbstverständlich geht das nur nach vorheriger Absprache mit dem Patienten und nur an „erlaubten“ Stellen! Und es soll nur so gemacht werden, dass es zwar deutlich ist, aber nicht unangenehm oder sogar schmerzhaft. Ansonsten ist die Hypnose dem Verfahren einfach anzupassen und entsprechend zu induzieren. Hier ein praktisches Beispiel: Jemand klagt über chronische Nackenverspannungen mit regelmäßigen Kopfschmerzen. Will ich nun, dass der Patient seine Aufmerksamkeit auf den betreffenden Bereich ausrichtet und in genau diesen Bereich Wärme und „Lockerheit“ (in den dortigen Muskeln etc.) verwirklicht, ist eine deutliche Ortsvorgabe für die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein sehr hilfreich! Und die kann ich dem Patienten gut geben durch das STH-Verfahren:

Ich kläre mit dem Patienten, der sich bereits in einer entspannten Position und evtl. in leichter Hypnose befinden sollte, den betreffenden Bereich ab und mache diesen mit Hilfe eines Stabes für ihn damit deutlich abgegrenzt wahrnehmbar von seiner restlichen Körperumgebung. Dann folgt die Hypnose, die sich leicht nachvollziehbar auf eben diese klar definierte Körperstelle bezieht. Ansonsten wird wieder wie üblich verfahren. Anfügen möchte ich noch, dass ein Sich-Hinein-Finden in die Extremitäten (beim Schaubild die Nr. 1) am Leichtesten empfunden wird, Stellen im Torsobereich am Schwersten (Nr. 3). Der Kopf liegt eher im mittleren Bereich (Nr. 2). Übrigens ließ sich bei einem Versuch im Kieferbereich eine Betäubung überraschend genau induzieren, Wundheilung an derart definierten Bereichen deutlich beschleunigen. Hier kann noch viel getan werden. Offen und noch zu erforschen ist auch, ob und wie weit ggf. innere Organe auf diesem Wege erreicht oder angesprochen und vielleicht einzelne Körperteile oder –regionen gezielt verändert werden können.

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