Selbsthypnose optimieren

15.06.09

Selbsthypnose optimieren

Meine Tochter ließ sich immer gut hypnotisieren und sie schien die angeleitete Hypnose ebenso auch intensiv und deutlich erleben zu können. Interessanterweise zeigte die Selbsthypnose bei ihr nicht denselben Effekt – im Gegenteil: Es fiel ihr schwer sich auf die inneren Bilder zu konzentrieren oder die körperlichen Sinne in die Visualisierung einzubauen. Das Ergebnis war stets eine kurze, kaum merkbare Hypnose.

Gestern versuchte sie erneut eine „halbwegs gelungene“ Selbsthypnose durchzuführen. Nach den ersten imaginierten Szenen schien ihr Unbewusstes sie plötzlich zum Beginn der Szenerie zurückzudrängen und meine Tochter ging darauf ein. So sah sie die Szene nochmals von Anfang an, dieses mal aber von ihrer eigenen inneren Stimme kommentiert. Ein Beispiel: „Du stehst vor der Tür und nimmst jetzt den Haustürschlüssel in deine Hand. Dann schließt du die Türe auf und drückst die Klinke herunter. In der Wohnung ist es dunkel. Du drehst dich um und schließt die Tür. Dann betätigst du den Lichtschalter, neben dir an der Wand.“ Die Stimme erklang automatisch und begleitete meine Tochter bis zum Ende der Selbsthypnose. Auch nach dieser Übung blieb die Sitzung im Gedächtnis meiner Tochter, die Bilder blieben klar, das Erlebnis fühlte sich realistisch an und die eingebauten Suggestionen schienen ebenso sicher eingebaut zu sein.

Der Gedanke hinter dem Kommentieren der Visualisierung ist der, dass die Aufmerksamkeit des Selbsthypnotisierenden an der Visualisierung „festgetackert“ wird. Jedes einzelne Kommentar zu einer Handlung verankert die Aufmerksamkeit auf dieses Bild und ermöglicht es dem kreativen Teil des Geistes diese Handlung dann mit Sinneswahrnehmungen auszuschmücken – obwohl bei dem Kommentar nicht ein Wort über das Wie verloren wurde: Kein „vor der holzigen Tür“, kein „drückst die kalte Klinke herunter“ oder „neben dir an der weißen Wand“.  Durch den begrenzten Freiraum, den das Kommentieren ohne Attribute gestattet, entfaltet sich die wahre Kraft der imaginierten Bilder. Die Aufmerksamkeit folgt durch den inneren Kommentar dem „Imaginationsgrundriss“ – ohne Unterbrechungen und ohne Störungen. Wem die Selbsthypnose, wie meiner Tochter, eher schwer fällt, der sollte sein Unbewusstes um diese Art des Kommentierens bitten. Das Ergebnis ist nach meiner Meinung identisch mit einer fremdgeleiteten Hypnose.

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Kommentar von: Michael Bauer [Besucher] · http://www.hypnoseanwendung.com
Eine sehr schöne Anregung.

Interessant zu wissen wäre noch welchen "Kanal" die Tochter im Allgemeinen gerne nützt. Ist hier der Auditive im Vordergrund, bzw. wie werden die sonstigen Hyponsen an sich durchgeführt.

Trat diese Eigenmächtigkeit des Unterbewusstseins öfters auf, bzw. stellte sich bei der Selbsthypnose ab diesem Zeitpunkt ein Automatismus ein?

Beste Grüße,
Michael Bauer





PermalinkPermalink 26.06.09 @ 19:36
Kommentar von: Praxis für heilpraktische Psychotherapie und Hypnose [Besucher] Email · http://www.hypnosepraxis.info
Ich persönlich würde Verwandte ersten Grades nicht hypnotisieren. Das hängt mit meinem tiefenpsychologischen Verständnis für Mechanismen wie Übertragung und Projektion zusammen.
Ich möchte einen Angehörigen nicht in einem quasi therapeutischen Setting. Gerade bei Hypnose kann es leicht zu Phänomenen wie Regression kommen und da bin ich als angehöriger einfach zu stark im System integriert und als Person involviert, als dass ich den nötigen Überblick behalten könnte.

Es besteht meiner Meinung doch ein kleiner aber feiner Unterschied, ob ich meinem Kind eine Geschichte erzähle oder vorlese, oder es gezielt in Trance zu versetzen und szenisch miterleben zu lassen.

Ansonsten finde ich die Idee des Kommentieren der Visualisierung für klasse. Damit schafft sich der Übende praktisch selbst Distanz vom eigenen Erleben, ähnlich wie man es z.B. durch "Kinotechnik" bei Phobien oder Traumata einsetzt.

Viele Grüße
PermalinkPermalink 16.09.09 @ 09:29
Kommentar von: Michael Bauer [Besucher] · http://www.hypnoseanwendung.com
Eine Grundsätzlichkeit das Verwandte nicht hypnotisiert werden sollten kann ich nicht teilen. Ich denke dies ist immer Abhängig von der jeweiligen Thematik, das Gefühl nicht zu vergessen...
PermalinkPermalink 03.10.09 @ 18:31

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